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Frauenpolitischer Lunch in Hannover

v.l.: Almuth von Below-Neufeldt, Elke Twesten, Kreszentia Flauger, Aygül Özkan, Bettina Raddatz, Gudrun   Pieper, Tanja Kühne, Rosita Zäsar v.l.: Almuth von Below-Neufeldt, Elke Twesten, Kreszentia Flauger, Aygül Özkan, Bettina Raddatz, Gudrun Pieper, Tanja Kühne, Rosita Zäsar

Rund 70 Gäste aus Politik und Wirtschaft fanden sich auf Einladung des EIZ am 11. Mai zum frauenpolitischen Lunch ein, um über das Thema „Frauen in Führungspositionen“ zu diskutieren.

Nach einer kurzen Begrüßung durch Bettina Raddatz, Leiterin des EIZ Niedersachsen, übernahmen Tanja Kühne, Landesverbandsvorsitzende des VdU Niedersachsen, und Dr. Rosita Zäsar, Vorstandsmitglied, die Moderation der Veranstaltung und  stellten Claus Sørensen, Generaldirektor der EU-Kommission, als kommunikativen Menschen vor, der die Rechte der Frauen schon seit Jahren auf europäischer Ebene vorantreibt.

Sørensen stellte zu Anfang seiner Rede fest, dass die EU auf einem guten Weg sei, die Gleichstellung der Geschlechter voranzutreiben.
Es sei eine Frage des gesunden Menschenverstandes die Frauenförderung zu forcieren. Er nahm die Metapher eines Dreiecks zu Hilfe, um die Wechselwirkung der großen Probleme zu verdeutlichen, die die Gesellschaft habe, wenn es um Gleichberechtigung geht; die demografische Entwicklung, die Teilhabe von Frauen am Arbeitsmarkt, der Wunsch nach Karriere.

Die Beschäftigungsquote von Frauen liege unter der der Männer, europaweit sei das Verhältnis in etwa 30% zu 70%. Berechnungen zu Folge könnte das BIP potentiell um 25% angehoben werden, käme es zu einem Ausgleich der Beschäftigungsquote.
Die EU könne den Staaten nicht direkt vorschreiben, wie sie ihren Arbeitsmarkt organisieren, sie könne aber die notwendigen Rahmenbedingungen schaffen. Mit Hilfe der „Peer Reviews“ besitzt die EU eine Art Kontrollmechanismus, mit dem sie aufzeigen kann, welche Staaten auf einem guten Weg sind, und welche noch Handlungsbedarf aufweisen.
Ziel der EU-2020-Strategie sei es, die allgemeine Beschäftigungsquote auf 75% zu erhöhen. Dafür müsse man unter anderem den Mutterschaftsurlaub verlängern; eine Maßnahme, die bislang auf wenig Zustimmung im Ministerrat träfe. Außerdem gelte es, mehr Kindergartenplätze zur Verfügung stehen.

Auf die Frage, ob eine gesetzliche Frauenquote auf EU Ebene eingeführt werden würde, wollte Herr Sørensen sich nicht festlegen. Er stellte aber fest, dass es bislang ohne Quote nicht gelungen sei, Frauen in gleichem Maße einzubinden, wie Männer. Die Kommission hat den Unternehmen bis März nächsten Jahres Zeit gegeben, mehr Frauen im mittleren und hohen Management einzusetzen. Davon hänge ab, ob die Kommission die verbindliche Quote fordert oder nicht.

Die niedersächsische Sozialministerin Aygül Özkan begann ihre Rede mit einem Lob für das Engagement der EU, betonte aber auch, dass noch viel zu tun sei, um eine Gleichstellung zu erreichen. Über die Feststellung, dass Frauen besser qualifiziert seien, sie in bestimmten Branchen in der Ausbildung überproportional, in den Führungspositionen jedoch unterproportional vertreten seien, kam sie zu dem Schluss, dass eine Quote alleine nicht ausreiche. Erforderlich sei ein Bündel von Maßnahmen, das flankierend zur Quote eingesetzt werden müsse.

Ein ganzheitlicher Ansatz sei geboten, dabei gehe es um familienbewusste Personalpolitik, Qualifizierung auch in Teilzeitjobs, Förderungen von Existenzgründung für Frauen bis hin zu Qualifikationsprogrammen für Migrantinnen. All dies sei bereits in den entsprechenden Landesprogrammen mit der Unterstützung des EFRE und des ESF eingeleitet worden.

Die Ministerin forderte darüber hinaus, dass man sich nicht nur auf Frauen in Führungspositionen konzentrieren, sondern das Augenmerk auch auf den Mittelbau richten müsse. Dabei sei auch das Unternehmensumfeld und die Unternehmenskultur von Bedeutung.

In der abschließenden Podiumsdiskussion diskutierten vier Abgeordnete des Niedersächsischen Landtages, Gudrun Pieper von der CDU, Almuth von Below-Neufeldt von der FDP, Kreszentia Flauger von den Linken und Elke Twesten von den Grünen über Frauen in „Männerberufen“, der Erziehung in Kindertagesstätten, parteiinterne Quoten und Chancen für Frauen in der prosperierenden Energiebranche. Der sich anschließende gemeinsame Lunch bot Raum die unterschiedlichen Positionen weiter auszutauschen.

Text und Bild mit freundlicher Genehmigung des Europäischen Informationszentrums